ZMI-Sprachfest 2025:

Postmigration und Mehrsprachigkeit im Fokus

Am 18. Februar 2025 fand das jährliche Sprachfest des ZMI – Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration in Kooperation mit der Volkshochschule Köln erneut im FORUM Volkshochschule am Neumarkt statt. Rund 220 Teilnehmende aus Bildung, Verwaltung, Politik und Kultur sowie Vertreter*innen von Migrant*innenselbstorganisationen folgten der Einladung, um gemeinsam über die Rolle von Mehrsprachigkeit in der postmigrantischen Gesellschaft zu diskutieren. Seit 2009 bietet das Sprachfest eine Plattform für die facettenreichen mehrsprachigen und interkulturellen Aktivitäten von Kölner Kindertagesstätten, Schulen und zahlreichen weiteren öffentlichen sowie privaten Institutionen. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Vorträgen, Diskussionen und künstlerischen Beiträgen richtet sich das Fest insbesondere an die Fachöffentlichkeit aus Bildung, Kultur und Medien. Anknüpfend an das Vorjahr stand das Sprachfest 2025 unter dem thematischen Leitmotiv „Postmigration und Mehrsprachigkeit im Fokus“. Die Veranstaltung wurde musikalisch mit dem Beitrag „Klänge der Vielfalt – der 21-Türchen-Kalender 2025“ eröffnet. Im Anschluss begrüßte Oberbürgermeisterin Henriette Reker die Gäste, gefolgt von einem Grußwort der nordrheinwestfälischen Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration (MKJFGFI), Josefine Paul. Den fachlichen Auftakt bildete ein inspirierender Vortrag von Prof. Dr. Aysun Doğmuş von der TU Berlin, die unter dem Titel

„Was heißt (mehrsprachiges) Sprechen in der postmigrantischen Gesellschaft?“ zentrale Herausforderungen und Perspektiven für mehrsprachige Bildungsprozesse beleuchtete. Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion tauschten sich hochkarätige Expert*innen über das Thema „Mehrsprachigkeit und Postmigration im Fokus“ aus. Zu den Diskutierenden zählten Aslı Sevindim (MKJFGFI), Dr. Marie Batzel (VHS Köln) sowie Prof. Dr. Aysun Doğmuş. Die Moderation der spannenden Diskussion übernahm Bettina Baum vom ZMI. Ein künstlerischer Höhepunkt war die Zusammenfassung der Veranstaltung in einem Poetry-Slam durch die Performance- Künstlerin und Slam-Poetin Dominique Macri. Mit ihrem poetischen Live-Recording setzte sie einen emotionalen Schlusspunkt unter das inhaltliche Programm. Beim anschließenden Get-together und dem „Markt der Möglichkeiten“ boten zahlreiche Institutionen Infostände an – darunter die Interkulturellen Zentren Köln, die Landesstelle Schulische Integration, LehrkräftePlus, das MKJFGFI, die VHS Köln und das ZMI. Bei Getränken und einem kleinen Imbiss nutzten viele Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch und Netzwerken. Das Sprachfest 2025 zeigte erneut, wie wertvoll Räume für Dialog, Sichtbarkeit und Kooperation im Kontext von Mehrsprachigkeit und postmigrantischer Gesellschaft sind.

Samen von Lampedusa – Ein Projekt für Menschlichkeit und Hoffnung

Migration und Flucht gehören zu den drängendsten Themen unserer Zeit. Doch sie sind mehr als politische Schlagwörter. Sie sind Geschichten von Menschen, von Hoffnung, Verlust und Neubeginn. Mit dem Projekt „Samen von Lampedusa“ hat die Erzbischöfliche Papst-Johannes-XXIII.-Gesamtschule in Pulheim- Stommeln gemeinsam mit europäischen Partnern einen eindrucksvollen Raum geschaffen, um über genau diese Geschichten zu sprechen – und ihnen ein Gesicht zu geben. Im Rahmen des Projekttages „Reise und Grenzen – Entwicklungspotentiale jenseits der physischen und kulturellen Grenzen“ am 07. April 2025 wurde die Aula der Schule zum Begegnungsort. Organisiert von Frau Tiziana Miceli in Zusammenarbeit mit dem Comitato Tre Ottobre, dem ZMI Köln, dem Netzwerk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, der Aktion Neue Nachbarn, dem Landesintegrationsrat NRW, der Seebrücke Brühl und getragen vom Engagement der gesamten Schulgemeinschaft wurde der Projekttag zu einem eindrucksvollen Beispiel gelebter Solidarität. Die Schüler*innen beschäftigten sich dabei intensiv mit Migration, Menschenrechten und Integration.

Zentrale Grundlage war das Buch I ragazzi hanno grandi sogni von Alì Ehsani – eine bewegende Geschichte über Flucht und Hoffnung. Dass die Schüler*innen den Autor persönlich treffen und befragen durften, machte das Gelesene lebendig und tiefgreifend erfahrbar. Der Projekttag wurde bereichert durch hochkarätige Gäste wie Tareke Brhane, Vorsitzender des Comitato 3 Ottobre, Irene Turcato, Leiterin des Bildungsbereichs des Komitees, sowie Mamadou Kouassi, dessen eigene Fluchtgeschichte die Vorlage für den preisgekrönten Film Ich Capitano lieferte. Ihre Berichte und ihr Engagement machten deutlich: Hinter jeder Flucht steht ein Mensch – mit Träumen, Schmerzen, Hoffnungen. Die Filmvorführung von Ich Capitano am Nachmittag war nicht nur emotionaler Höhepunkt des Projekttages, sondern auch ein Appell: Flucht ist keine abstrakte Bewegung von Menschenmassen, sondern ein zutiefst individuelles Schicksal. Die Schüler*innen reagierten mit stillem Respekt – und tiefem Nachdenken. Doch das Projekt war mehr als Zuhören und Verstehen. Es war auch ein Zeichen europäischer Verbundenheit: Schüler*innen aus Paris, Köln, Bonn und Düsseldorf nahmen teil, der Austausch über Grenzen hinweg machte das Thema Migration als gemeinsame Herausforderung erlebbar.

Das Projekt „Samen von Lampedusa“ steht in der Tradition der Projekte „Siamo sulla stessa barca“ und „Per fare memoria“, mit denen die Schule seit Jahren zu einer Kultur des Willkommens beiträgt. Sie greift damit das Gebot der Nächstenliebe auf und übersetzt es in gelebtes Handeln. Durch Gespräche, Begegnungen und kreative Auseinandersetzung werden junge Menschen für globale Zusammenhänge sensibilisiert und ermutigt, Verantwortung zu übernehmen.

Der Projekttag „Reise und Grenzen – Entwicklungspotentiale jenseits der physischen und kulturellen Grenzen“ war mehr als eine schulische Veranstaltung. Er war ein Plädoyer für Menschlichkeit, ein Raum der Begegnung, und ein starkes Signal für ein solidarisches Europa. Die Schüler*innen sind sich einig: „Es hat uns verändert – und uns gezeigt, wie wichtig es ist, hinzusehen, zuzuhören und zu handeln.“

Workshop für DaZ-Lehrende zu Heterogenität in der Erwachsenenbildung

Am 10. Juli 2025 organisierte das ZMI zum dritten Mal einen Workshop für interessierte DaZ-Lehrkräfte und ehrenamtliche Sprachförderkräfte aus den Interkulturellen Zentren Kölns. Im Jahr 2024 hatte das ZMI in Zusammenarbeit mit den Interkulturellen Zentren bereits einen Workshop zum Thema Aussprachetraining erfolgreich durchgeführt. Mit dem diesjährigen Workshop wurde das Engagement des ZMI zur Unterstützung ehrenamtlicher und professioneller Lehrkräfte im Bereich Deutsch als Zweitsprache konsequent fortgesetzt. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum Köln sowie dem Netzwerk Interkultureller Sozialer Service und widmete sich dem Thema Heterogenität in

der Erwachsenenbildung. Die Leitung des Workshops übernahm Anna Tix, die langjährige Erfahrung in der interkulturellen Bildungsarbeit mitbringt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie Lehrkräfte mit der Vielschichtigkeit ihrer Lerngruppen konstruktiv umgehen können – etwa mit Blick auf Sprachstände, Lerngewohnheiten, Bildungshintergründe oder kulturelle Erfahrungen der Lernenden. Anna Tix betonte die Chancen, die in der Vielfalt liegen, und zeigte praxisnah auf, wie ein differenzierender, teilhabeorientierter Unterricht gestaltet werden kann. Die Teilnehmenden reflektierten eigene Erfahrungen, diskutierten Herausforderungen aus dem Unterrichtsalltag und erarbeiteten gemeinsam Strategien zur

individuellen Förderung und methodischen Vielfalt. Besonders hervorgehoben wurden die Bedeutung einer vertrauensvollen Lernatmosphäre, die aktive Einbindung aller Lernenden sowie die Notwendigkeit, auf vorhandenen Ressourcen der Teilnehmenden aufzubauen. Der Workshop bot vielfältige Impulse für die Praxis, darunter konkrete Methoden zur Differenzierung von Aufgabenstellungen und Materialien, zur Förderung von Interaktion innerhalb der Lerngruppe sowie zur Planung inklusiver Lernsituationen. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus – über die theoretischen und praxisorientierten Impulse hinaus wurde insbesondere der kollegiale Austausch als bereichernd erlebt.

Fortbildungstag Deutsch 2025
Deutsch – Fremdsprache, Zweitsprache, Herkunftssprache
Der Fortbildungstag Deutsch ist eine gemeinsame Veranstaltung von:
• Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
• Universität zu Köln
• Volkshochschule Bonn
• Volkshochschule Köln
• ZMI – Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration

Der Fortbildungstag Deutsch richtet sich an alle, die im Bildungssystem die deutsche Sprache fördern – sowohl an Lehrkräfte aller Schulformen und Hochschulen als auch an Kursleitende in
der Erwachsenenbildung. Die Bildungsbereiche, auf die sich die Workshops schwerpunktmäßig jeweils beziehen, sind am Ende der Workshopbeschreibung angegeben.
Weitere Informationen finden Sie auf der Tagungshomepage: www.fortbildungstag.uni-bonn.de

Bericht zum Fortbildungstag Deutsch 2025

Am 8. November 2025 fand der jährliche „Fortbildungstag Deutsch – Fremdsprache, Zweitsprache, Herkunftssprache“ erneut als reine Online-Veranstaltung statt. Die Tagung richtete sich – wie in den vergangenen Jahren – an Lehrkräfte aller Schulformen und -stufen, an Kursleitende in der Erwachsenenbildung sowie an weitere pädagogische Fach- und Lehrkräfte, die im Bereich Sprachbildung tätig sind. Auch 2025 bot der Fortbildungstag eine Plattform für fachlichen Austausch, neue Impulse und praxisorientierte Fortbildung rund um Mehrsprachigkeit, Spracherwerb und Deutschunterricht in verschiedenen Bildungskontexten.

Den Plenarvortrag hielt in diesem Jahr die Schulentwicklungsberaterin, ehemalige Schulleiterin und Autorin Kati Ahl. Unter dem Titel „Internationale Impulse für Wellbeing und Empathie als Voraussetzung für Diversitätskompetenz“ lag der Fokus des Vortrags auf der Bedeutung emotionaler Sicherheit und Zugehörigkeit als Grundlage erfolgreichen Lernens. Anhand internationaler Beispiele, insbesondere aus Kanada und Dänemark, zeigte Ahl auf, wie Empathieförderung, Wertschätzung von Vielfalt sowie psychologische Sicherheit systematisch in Unterrichtsentwicklung und Schulalltag integriert werden können.